OSTERN IM CILENTO

von / Tuesday, 27 March 2018 / Veröffentlicht inArticoli recenti

Ostern … PASQUA … im Cilento

“Pasqua” … Winterende und Frühlingsanfang im Cilento. Früher, als auch die klimatischen Bedingungen noch diesen jahreszeitlichen Einschnitt widerspiegelten, war das Osterfest für die „Cilentani“ die freudige Vorankündigung des nahenden Sommers, und so wagte man am Ostermontag, „Pasquetta“ genannt, zum ersten Mal im Jahr den Sprung in die Fluten des Meeres. Heute spielt das Wetter gemeinhin nicht mehr mit, und es finden sich nur noch wenige Wagemutige, die dieser Tradition frönen!

Und natürlich bildet das Osterfest im Cilento einen wichtigen jahreszeitlichen Einschnitt für Bauern und Fischer: Jetzt beginnt die Arbeit auf den Feldern, wo dann geerntet werden wird, was die sommerlichen Tafeln anreichern wird, und die Fischer, die den Winter über ihre Netze feinsäuberlich geflickt haben, bereiten nun ihre Boote, „gozzi“, vor, um aufs Meer hinauszufahren.

Aber Ostern im Cilento ist vor allem ein religiöses Fest, die Wiedergeburt nach der langen Fastenzeit, die in alten Zeiten von den “Cilentani” als wahrliche Trauerzeit gelebt wurde: Man aß kein Fleisch am Freitag, und die Kirche verbot jegliche Feste und Feierlichkeiten, die als unangebracht betrachtet wurden.. Heute ist von diesen Verboten nicht mehr viel übrig geblieben, doch die “Settimana Santa”, die “Heilige Woche”, die dem Osterfest vorangeht, ist heute noch lebendig mit zahlreichen religiösen Andachten und Gottesdiensten, aber auch mit zahllosen wesentlich „profaneren“ Vorbereitungen, die dem österlichen Festmahl gewidmet sind.

Der “Giovedì Santo”, Gründonnerstag” ist der letzte Trauertag: Die Kirche erinnert mit der Fußwaschung und der Verteilung des geweihten Brotes an das letzte Abendmahl. In der katholischen Tradition ist die Geste Jesus`, der die Füße seiner Jünger wusch, lebendig. Die Feierlichkeit schließt mit der Verteilung eines Stückes Brot, das mit Verwandten und Freunden zum Zeichen der Vereinigung geteilt wird.

Im Hause hat der “Gründonnerstag” hingegen eine recht kulinarische Bedeutung, denn man widmet sich ganz der Vorbereitung des österlichen Sonntagsessens. Es werden Kuchen und die traditionellen “pizze” gebacken. In früheren Zeiten wurde in Holzöfen gebacken, und da nicht jede Familie über einen solchen “Luxus” verfügte, taten sich Verwandte und Nachbarn zum gemeinschaftlichen Backen zusammen, und unendliche Reihen von “ruoti”, runde Backformen, wurden dampfend aus dem Ofen gezogen: die “pizza chiena”, eine in feine Teigschicht gehüllte Füllung aus Eiern, Frischkäse und “soppressata”, typisch cilentanischer Salamiwurst, die ausschließlich nach dem “Gloria” der Kirchglocken, das die Wiederauferstehung ankündigt, verspeist wird, und die dann einen wichtigen Teil des Speiseplans für das Picknick am Ostermontag bildet; die Pizza “con la ieta”, der dialektale Ausdruck für Mangoldgemüse, mit einer Füllung aus Gemüse, Oliven, Kapern und Sardellenfilets, die das Mittagessen am Gründonnerstag darstellt; und zuletzt die “Königin” der österlichen Festtafel, die „pastiera di grano“, ein prächtiges Gebäck aus in Milch gekochtem Weizen, der mit frischer Ricotta, Eiern, Schalen von kandierten Früchten und dem unverwechselbaren Aroma von Orangenblütenwasser vermengt, auf einer Mürbeteigschicht aufgetragen und gebacken wird, bis seine Oberfläche eine warme goldfarbene Farbe erlangt.Unzählbar sind die Varianten, die um dieses Gebäck herum erfunden wurden: mit Reis, mit einer Crèmefüllung, mit “pastina”, klitzekleinen Nüdelchen … jeder hat sein eigenes Rezept, das von Generation zu Generation weitervererbt wird, aber der köstliche Geruch, der in diesen Tagen über den Gassen des Ortes liegt, der ist einzigartig und unverwechselbar! Unmöglich ist es, der „pastiera“ zu widerstehen, schon allein deshalb, weil sie zu jeder anderen Jahreszeit niemals den selben köstlichen Geschmack haben wird!

Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, wurde traditionell der “Venerdì Santo”, der Karfreitag, der Trauer gewidmet: Man fastete, im Hause wurde weder gewaschen noch gewischt, die Frauen hüllten sich in gediegenes Schweigen und die Männer rasierten sich nicht. Von diesen Bräuchen ist heute nur noch die Teilnahme an der Prozession der „Via Crucis” übrig geblieben, die vom Sonnenuntergang durch die Sträßchen und Gassen der Orte.

Die “Settimana Santa”, die Heilige Woche, beschließt die Mitternachtsmesse in der Nacht von Samstag auf Sonntag, ein besonders langer Gottesdienst, der das Osterfest ankündigt … und das reichhaltige „pranzo“ des Ostersonntags, bei dem Zicklein und Lamm aus dem Rohr genauso wenig fehlen dürfen wie der “tortano” ein Brotteig, der mit so vielen Eiern geschmückt wird, wie die Familie Mitglieder hat: beim Backen des Brotes garen auch die Eier, die dann am Tisch verteilt werden; eine vor allem bei Kindern beliebte Variante ist dieses Brot, wenn es aus leicht süßlichem Brioche-Teig gebacken ist!

Bleibt der Ostermontag,  “Pasquetta”, in cilentanischem Dialekt “Pascone”, der rein dem Vergnügen gewidmet ist: einem Ausflug mit Picknick! Ob am Meer, in den Bergen oder im Innenhof des Sommerhauses, wo auch immer es beliebt, vereinigen sich Familien und Freunde in lautstarken Gruppen, um gemeinsam schmackhafte Salami und Schinken mit frischen Saubohnen, rustikalen Torten und, warum nicht, den Resten des ostersonntäglichen Festmahls zu verzehren. Keiner bleibt alleine zu Hause, auch wenn das Wetter nichts Gutes verheißen sollte, deswegen wundere man sich nicht, an diesem Tage Strände und Strassen ungewöhnlich voll und übervölkert zu finden, die Tradition will es, dass man den Ostermontag im Freien begeht …und vielleicht mit einem Drink zum Sonnenuntergang in einer Bar am „lungomare“ beendet …BUONA PASQUA!

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